11390235_377711549098178_4094440427817692391_nErfahrungsbericht Juni-Juli 2015
Wir, Olga (25, aus Regensburg, Studentin und angehende Lehrerin) und Veronika (23, aus München, angehende Studentin Pädagogik-Master in Augsburg) reisten für ca. neun Wochen nach Agra, um zum einen das „Mutter-Theresa-Haus“ zu unterstützen und zum anderen weitere Projekte im Namen der Organisation „Kleine Füße – große Spuren“ durchzuführen.

Unsere ersten Eindrücke nach dem wir den Flughafen in Delhi verlassen hatten waren eine unglaubliche und schweißtreibende Hitze, eine enorme Lautstärke und letztendlich ein buntes  Treiben.

So sah unser Tagesablauf im Waisenhaus von „Mutter Theresa“ aus:

Wir hatten keinen vorgegebenen Arbeitsplan, sondern versuchten die ersten Tage das Geschehen im Waisenhaus zu beobachten und erst danach haben wir besprochen, wo wir uns einbringen können und wo unsere Hilfe gebraucht wird.

Unser Tag begann um halb neun Uhr morgens. Zuerst halfen wir den Diddis  dabei die Kinder anzuziehen und die Kinderstühle aus dem Schlafraum in den Vorraum herauszufahren, damit die Kids aus den Fenstern schauen können.

Danach unterstützten wir den Physiotherapeuten bei der Durchführung der Übungen für die körperlich beeinträchtigten Kids. Dabei teilten wir uns auf. Während eine von uns bei den Dehnübungen geholfen hat, versuchte die Andere die restlichen Kinder zum Laufen bzw. eigenständigen Übungen zu motivieren.

Zwischendurch halfen wir den Diddis beim Snacks verteilen oder bei Hausarbeiten, wie Wäsche zusammenlegen.

Gegen elf Uhr fingen wir an alle Kinder zurück in den Schlafraum zu bringen, wo sie gefüttert, sowie für den Mittagsschlaf gewickelt und umgezogen wurden.

Nach der für uns erholsamen Mittagspause bzw. den Mittagsschlaf der Kids, ging es gegen halb vier Uhr weiter. Den Kindern wurden die Gehschienen angezogen und der Rest wurde in die Stühle gesetzt, woraufhin jeder ein bisschen Milch zum Trinken bekam.

Danach folgte die Freizeit, die man sich als Volunteer nach den eigenen Wünschen einteilen konnte. Manchmal gehörten Physiotherapie- oder Massage-Übungen, die wir selbstständig durchführten, dazu. Damit die körperliche Nähe nicht zu kurz kam, haben wir immer wieder die Kinder in die Arme genommen, sie gestreichelt und mit ihnen gekuschelt. Das genossen die Kinder sehr. Aber auch gemeinsames Tanzen, Spielen mit Bällen oder auch Turnübungen versuchten wir zu integrieren.

Kurz nach fünf Uhr wurden wieder alle zum Abendessen zusammen gesammelt. In der Zeit, in der die Kinder auf das Essen warteten, nutzten wir, um ein wenig Unterhaltung zu bieten. Dabei haben wir mit Bällen jongliert, versucht Englisch-Vokabeln zu vermitteln oder Lieder gesungen.

Nach dem Essen verwöhnten wir die Kids manchmal mit einem erfrischenden Bad und bereiteten sie auf das Schlafengehen vor. Das Plantschen mochten sie besonders gerne.

Unser Arbeitstag endete gegen sechs Uhr abends.

Bei unserem Praktikum war es für uns auch wichtig ein gutes Verhältnis zu den Diddis und den Schwestern des Mutter-Theresa-Ordens aufzubauen. Ein paar Mal in der Woche schauten wir bei der Superior-Sister auf ein Gespräch vorbei, um Fragen zu stellen oder unsere Arbeit zu besprechen. Aber auch die Diddis freuten sich, wenn wir versuchten Kontakt zu ihnen aufzubauen und ihnen Fragen stellten. Begeistert waren sie vor allem, wenn wir Fotos von unseren Familien und Freunden mitgebracht haben. Dies lockerte die Stimmung auf und die Arbeit machte natürlich bei einem guten Verhältnis viel mehr Spaß.

Besonders gefreut hat es die Schwestern, dass wir nicht nur bei den Kindern gearbeitet haben, sondern auch in die Arbeit des Female- sowie Male-Trakts hineinschnupperten. Dies war eine neue Erfahrung für uns und wir lernten zudem auch weitere Betreuer und Betreuerinnen des Charity-Houses kennen. Einen Tag lang durften wir sogar in der Küche mithelfen und bekamen einen Eindruck davon, wie das Essen zubereitet wird.

Belohnt wurden wir am Ende mit haufenweise Dhal und Rotis.☺

Womit wir zu kämpfen hatten:

Natürlich kamen wir beide mit mehreren geplanten Projekten, die alle durchführt werden sollten, nach Agra. Da Veronika in ihrer Jugend Flöte und Klarinette spielte, wollte sie den Kindern das Flötespielen beibringen. Nachdem wir jedoch die verschiedenen Kinder kennenlernten, mussten wir feststellen, dass sich das Flötespielen aufgrund ihrer Beeinträchtigungen, als sehr schwierig erwiesen hätte. Somit mussten wir umplanen und überlegten uns, welche Musikinstrumente für die Kids am besten passten würden. Wir besorgten dann Trommeln und Rasseln, damit die Kids mit Handicap das Greifen der Instrumente üben konnten. Somit war es ihnen möglich ohne großen Aufwand Musik zu erzeugen, was ihnen sehr Spaß machte

Das Flötenprojekt kam dann bei den Baluganj-Mädchen zum Einsatz. Diese sind sehr lernwillig und wollen so viel wie möglich ausprobieren. Deshalb entschieden wir uns die gekauften Bambus-Flöten und Musikhefte den Mädchen zu schenken. Diese haben keine Erfahrungen mit Musikinstrumenten und haben sich darüber sehr gefreut.

Da unser ursprüngliches Projekt nicht wirklich durchgeführt werden konnte, konzentrierten wir uns stattdessen auf das Thema Volunteership-Erweiterung in Agra. Wir versuchten zu anderen sozialen Projekten Kontakt aufzunehmen und besuchten viele andere Organisationen. Ziel dabei war die Praktikamöglichkeiten hier auszubauen, damit die Organisation „Kleine Füße – Große Spuren“ nicht nur zwei, sondern vier Praktikanten zum Arbeiten und Erfahrungen sammeln hinschicken kann. Dabei kamen wir unter Anderem mit einem Projekt, welches die Dorfgegenden von Agra unterstütz und versucht vielen armen Menschen zu helfen, in Verbindung. Dazu gehören Schulen für behinderte Kinder, Skills-Training für beeinträchtigte Männer und Mädchen, Aufklärungsarbeit über die Schwangerschaft für Frauen oder kostenloser Unterricht am Nachmittag für arme Kinder. Diese Organisation arbeitet wirklich an vielen sozialen Projekten und bietet sinnvolle Arbeiten. Wir hoffen, dass wir einen guten Grundstein gelegt haben und vielleicht schon bald weitere Volunteers die Arbeit unterstützen können.

Was wir aus unserer Praktikumszeit mitnehmen:

Im Rückblick auf unsere Praktikumszeit hier in Agra können wir zusammenfassen, dass wir mit vielen Zielen im Gepäck anreisten, diese jedoch nicht alle erfüllen konnten. Immer wieder mussten wir unsere Vorhaben umändern, sowie über neue Ziele diskutieren. Dies war jedoch nicht negativ, sondern hat uns einfach wieder einmal gezeigt, dass sein eigenes Handeln reflektiert und Veränderungen zugelassen werden sollten.

Aufgrund der festen und langjährigen Struktur des Waisenhauses konnten wir innerhalb der kurzen Zeit von zwei Monaten nicht viele Veränderungen herbeiführen. Trotz allem merkten wir, wie sehr die Kinder die Zeit mit uns genossen. Denn Aufmerksamkeit, Liebe und körperliche Nähe kommt leider manchmal im stressvollen Heimalltag etwas zu kurz.

 

11863280_409886115880721_748089242664922063_nMein Abenteuer Indien (Ein Praktikumsbericht von Miriam Rauschmeier)

Mein Abenteuer begann am 27.07.2015, einem Montag: An diesem Tag musste noch alles ganz schnell gehen. Wegen der letzten Tollwutimpfung noch schnell zum Hausarzt, dann zu Hause noch die letzten Habseligkeiten einpacken und ab ging es zum Flughafen nach München. Mit einem Mix aus Gefühlen von Vorfreude, Anspannung und Ungewissheit, was nun alles in den folgenden zwei Monaten auf einen zukommen würde, stieg ich mit meiner Mitreisenden Anna in den Flieger.

Nach mehreren Stunden Flug und einer aufregenden ersten Zugfahrt in Indien, kamen wir schließlich in Agra an, wo wir von unseren Vorgängerinnen Olga und Veronika liebevoll empfangen wurden.

Nachdem wir von ihnen alles soweit gezeigt bekommen hatten, begann am darauffolgenden Morgen unser erster Arbeitstag im Waisenhaus des Ordens „Missionaries of Charity“. Die dort lebenden Kinder und vor allem die Kids mit körperlich – geistiger Behinderung, um die wir uns in erster Linie gekümmert haben, wuchsen mir sofort ans Herz. Auch wenn ich vor allem in der ersten Woche noch mit einigen Herausforderungen zu kämpfen hatte, weil eben so vieles dort anders war und man sich erst darauf einlassen musste (das galt eigentlich auch für Indien im Allgemeinen), war die Arbeit im Waisenhaus eine unglaublich bereichernde und schöne Erfahrung, die ich in keinem Fall missen möchte. Und obwohl ich zuvor noch nicht mit körperlich oder geistig behinderten Kindern gearbeitet hatte, fiel mir die Arbeit mit den Kindern dort erstaunlich leicht. Auf irgendeinem Weg fand man immer einen Weg mit den Kids dort zu kommunizieren, was ich mir im Vorhinein doch schwerer vorgestellt hatte. Mann musste in jedem Fall aber immer flexibel sein, sich auf die dort lebenden Menschen einlassen und in kleinen Schritten denken, wenn man zum Beispiel etwas neues im Waisenhausalltag einbringen wollte. So wollten Anna und ich beispielsweise ein kleines Kunstprojekt mit den Kindern machen, und zwar ein aus Handabdrücken (von den Kindern) gefertigtes Bild aus Blumenranken, einer Sonne und einem Schmetterling. Dieses sollte vor allem den Kindern eine Abwechslung zum Waisenhausalltag bieten und ihnen die Möglichkeit geben, sich auf eine Weise im Waisenhaus zu verewigen, da der Einzelne dort, in der Menge der dort lebenden Kinder, auch schnell einmal untergehen kann. Nach ausführlicher Absprache mit den Sisters, begann schließlich unser Malvorhaben. Aus drei geplanten Arbeitstagen wurde eine ganze Woche. Trotzdem war das Projekt ein Riesenspaß und wurde von allen ( auch von den Sisters nach kurzer Zeit 😉 ) sehr positiv aufgenommen: „Ohh, looks nice! Very nice!“ 😉

Ansonsten versuchten wir uns im Alltag im Waisenhaus so gut es ging aktiv einzubringen. Halfen beim „Füttern“, Waschen, Windeln wechseln und auch bei den verschiedenen Übungen in der fast täglich stattfindenden Physiotherapie. Wichtig war uns/ mir aber in erster Linie, neben den „alltäglichen Dingen“, mit den Kindern soviel es ging zu spielen und ihnen dadurch den Alltag zu versüßen. Besonders beliebt waren Ballspiele, sowohl bei den Jungs als auch bei den Mädchen. Aber auch Spiele, die vor allem die Schulkinder gefordert haben, wie einfaches Zählen auf Englisch oder andere einfache Spiele zum Englisch lernen, waren immer eine willkommene Abwechslung. Außerdem begann ich nach einiger Zeit auch gezielt mit einzelnen Kindern die physiotherapeutischen Übungen am Nachmittag fortzuführen, indem ich beispielsweise mit einem Mädchen, das eine Lähmung im rechten Arm hatte, gezielte Greifübungen mit Hilfe eines kleines Balls machte. Solche Übungen strengten die Kinder an, ja, aber sie waren auch immer voller Eifer dabei und sie konnten dabei immer selbst bestimmen, wann sie mit der Übung aufhören wollten. Über ihr Durchhaltevermögen und ihren Ehrgeiz musste ich jedes Mal staunen! 🙂

Parallel zum Waisenhaus besuchten wir auch jeden Sonntag die Mädchen vom nahegelegenen Baluganj – Wohnheim, in dem wir nach einer kurzen Eingewöhnungsphase auch unsere Bildungsmaßnahme für unser Pädagogikstudium durchführten. Obwohl Frauen in Indien mittlerweile laut Gesetz mit den Männern gleichgestellt sind, werden Frauen immer noch benachteiligt. Dabei sind vor allem junge Mädchen im Nachteil. Durch ein kunsttherapeutisches Konzept meiner geplanten Bildungsmaßnahme mit den Themen „Ich – Stärkung“ und „Stärkung der Selbst- und Fremdwahrnehmung“ sollte den Mädchen ein neues Selbstvertrauen vermittelt werden und ihr Selbstbewusstsein stärken. Mit viel Eifer und Enthusiasmus gingen die Mädchen an die Übungen heran, sodass es eine Freude war ihnen bei der Bearbeitung der Aufgaben zuzusehen. Neben der Bildungsmaßnahme spielten wir aber auch viel mit den Mädchen, musizierten (Gitarre spielend und singend) und halfen bei den Hausaufgaben. Der Sonntagnachmittag war daher immer ein großes Vergnügen!

Außerdem besuchten wir u.a. auch das Life House, in denen Railway Kids betreut werden und in dem wir auch aktiv zwei Tage mit den dort betreuten Kindern verbringen und mitgestalten durften. So unterrichteten wir Englisch mit Hilfe einfacher Übungen und spielten danach immer ausgiebig, z.B. schweißtreibendes Rooftop – Soccer mit den Jungs des Life House.

Mein Abenteuer Indien war alles in allem kunterbunt, eine krasse Umstellung, sehr ereignis- und erlebnisreich und einmalig; kurzum eine Reise, die ich nicht vergessen werde! Der Abschied von den Kindern im Waisenhaus ist mir sehr schwer gefallen, vor allem weil man sie mit einer Ungewissheit zurücklässt, die man nicht so einfach in Worte fassen kann. Da ist man definitiv froh, dass nach einem neue Praktikanten kommen und sich mit Hilfe des Vereins „Kleine Füße, große Spuren“ um die Kids kümmern können. So trat ich gute zwei Monate später mit vielen schönen, aber auch ein paar traurigen Erlebnissen und Erfahrungen im Gepäck wieder meinen Heimflug an. Ob ich so eine Reise noch einmal machen würde? – Ja, definitiv, aber dann für länger! 😉

 

12310674_438223856380280_3434931199055057845_nHallo!

Wir sind Rassin und Alex und waren vom 1. Oktober bis 11.Dezember im Waisenhaus in Agra.

Wir werden jetzt mal versuchen unsere Eindrücke über Indien und das Waisenhaus in Worte zu fassen, leider ist das nicht allzu einfach, denn schließlich ist Indien eben Indien 😉

Vielleicht beginnen wir erstmal am Ende anstatt vom Anfang unseres Praktikums.

 

Der letzte Tag war ganz schlimm, aber nicht auf negative Art und Weise, sondern dass wir ganz genau wussten wir werden die kleinen Krümel aus dem Waisenhaus so schnell nicht mehr sehen. Sehr viele Tränchen sind geflossen. Selbst einige der Didis, mit welchen wir leider kaum richtig kommunizieren konnten, werden wir sehr vermissen. Das mit der Sprache kann zwar ein großes Hindernis sein aber auch einen super kreativ werden lassen. Und diese Kreativität braucht man auch, denn wir haben festgestellt, dass die Strukturen im Waisenhaus, welche durch die Schwestern so sind wie sie sind, anders sind als in Deutschland. Manche Ideen waren schwerer umsetzbar als gedacht, anderes ging plötzlich schneller als man sich das vorgestellt hat, wenn man nur mal seinen eigenen Schweinehund überwunden hatte. Zum Beispiel haben wir einen Schrank besorgt für das Waisenhaus. Kaum war der Schrank gekauft und bezahlt, wurde er mit der Fahrrad-Rigshaw zum Waisenhaus gebracht… ganz schön indisch 😀

Besonders viel Spaß hatten wir beim singen mit den Kids. Selten hatte wir solch ein tolles Publikum, das unseren schrecklichen Gesang super fand (das hatten wir in Deutschland nie ;)).

Die Zeit ging super schnell vorbei, leider zu schnell. Uns kommt es vor als wenn es erst gestern gewesen wäre, als wir aus dem kaltem Deutschland ins Flugzeug gestiegen und nach der verrückten, ins „indische Feeling“ einstimmenden, Reise nach Agra in unsere erste Rigshaw gestiegen sind und ins Hotel getuckert sind.

Besonders toll sind auch die anderen Projekte, in welche man reinschnuppern kann, eine schöne Abwechslung, die uns sehr gut getan hat.

Wir sind sehr froh das wir bei diesem Projekt mitwirken durften und den indischen Wahnsinn hautnah miterleben konnten.