Lifehouse Gruppenfoto 2Von Oktober bis Dezember 2016 waren wir, Lierin und Kristina, als Praktikantinnen im Waisenhaus tätig. Wir studieren Soziale Arbeit an der Dualen Hochschule in Stuttgart. Unsere Praktikumszeit lässt sich wie folgt zusammenfassen: Aller Anfang ist schwer, aber jedes Ende noch mehr.

Nach einer 37 Stündigen Anreiseodyssee fielen wir in unserem Hostel endlich ins Bett. Am nächsten Morgen begann gleich unser erster Arbeitstag. Aufgeregt folgten wir der Sister, die uns in das Zimmer der Kinder brachte. Und schon war die Sister weg. Allein und etwas verloren schauten wir die Kinder an, die genauso verdutzt zurückschauten. Hmm, fangen wir mal an zu arbeiten …

Mit Seifenblasen und Luftballons bewaffnet starteten wir die erste Kontaktaufnahme. Schnell zauberten wir den Kids und sie uns ein großes Lächeln ins Gesicht. Das erste Gefühl des Willkommensseins kommt auf. Nach ein paar Tagen weckten wir das Interesse einer der Didis. Sie nahm uns daraufhin an die Hand und zeigte uns mit Händen und Füßen die täglichen Abläufe im Waisenhaus. In den nächsten Wochen erarbeiten wir uns schnell eine Routine bei den täglichen Anforderungen im Waisenhaus, haben viel Spaß mit den Didis und den Kindern. Aber auch müde sind wir. Wir erkennen, wie anstrengend das Arbeiten und Leben der Didis im Waisenhaus ist: Tagtäglich Kinder wickeln, umziehen, füttern aus dem Bett hieven – Kinder, die zum Großteil schon im pubertären Alter sind.

Bei allen spaßigen Erlebnissen stoßen wir auch immer wieder auf Grenzen. Auf kulturelle Unterschiede. Momente, die einen aufrütteln, Situationen, die einem aufzeigen wie unterschiedlich Erziehung, Kind sein, emotionale Zuneigung in Indien gesehen werden. Wir setzen uns ein für die Kinder, für unsere Ideen, unsere Projekte und scheitern, stehen wieder auf versuchen es wieder, denken in kleinen Schritten, freuen uns über kleine Erfolge und fühlen uns schlussendlich als Gewinner. Zu den kleinen Erfolgen gehört: Einige Kinder haben neue Schienen, das Badezimmer ist nun durch Handgriffe behindertengerechter, dank neuer Badezimmermatten müssen die Kinder nicht wie vorher auf dem kalten Fliesenboden gewaschen werden – und die besonderen Momente, in denen die Didis mit den Kindern spielen, gemeinsam Spaß haben und lachen.

Für eine Woche waren wir auch im Lifehouse tätig. Nicht nur die umwerfenden Kinder bezauberten uns, sondern auch der Projektleiter Paul C. Es war bewegend zu sehen, mit wie viel Liebe und Herz dieses Projekt geleitet wird.

Einmal pro Woche gingen wir zu den Baluganj-Girls. Wir erlebten sie als sehr kluge, junge Frauen mit denen man unglaublich viel Spaß hat.

Bei einem Gespräch mit dem Bishop bat er uns, außerdem einmal die Woche in seiner Schule für geistig und körperlich beeinträchtigten Kinder zu arbeiten, die auch einige unserer Waisenhauskinder besuchen. Dieses Angebot nahmen wir nur zu gerne an. Wir merkten schnell, dass in der Schule noch einiges zu tun gibt aber auch wie offen die Lehrer gegenüber uns und unseren Anregungen sind. Wir würden uns sehr freuen, wenn die zukünftigen Praktikanten weiterhin dort arbeiten.

Die drei Monate vergingen wie im Flug. Beim Abschied können wir uns die Tränen nicht verkneifen. Wir weinen, die Kinder weinen, die Didis weinen. So sehr haben wir diese kleinen und großen Menschen in unser Herz geschlossen und sie uns. Wir sind dankbar. Neben zahlreichen neu gewonnenen Kontakten, Freundschaften und Erfahrungen freuen wir uns auch über eine neue Sichtweise, die wir gelernt haben. Dankbar für wunderbare Erlebnisse, für die vielen positiven aber auch die negativen Erfahrungen, treten wir unsere Rückreise an. Danke, dass wir da sein durften.